Die Jahre vergehen!

Meine spezielle Beschäftigung mit dem Thema „Tanz in der Kirche“begann im Jahre 1984. Ausschlaggebend war dabei die Lektüre von Rainer Ruß, der sich 1980 in seinem Buch „Gott bei den Tänzern und Narren“ mit diesem brisanten Thema auseinander gesetzt hat.

An einer Stelle sagte Ruß: „Der Tanz verschließt die Augen nicht vor der Grenze. Im Gegenteil! Wenn es jemals eine Kunst gegeben hat, die die Hinfälligkeit des Leibes hat spüren lassen, dann ist es der Tanz gewesen. Es gilt diese Beobachtung nicht so sehr für die verschiedenen Formen gesellschaftlichen Tanzes, dafür um so mehr für den klassischen Tanz, wie er uns im Ballett begegnet.“

 

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Getanzter Kreuzweg im Münster (1986).Compagnie der Städte Krefeld/Mönchengladbach.Dritter von links Günter Haag,Choreograph,
Claus Salberg, Christusdarsteller, Viktor Scholz, Orgel.

Ballettmeister Günter Pick, Aachen, der später zum Münchener Staatstheater am Gärtnerplatz wechselte, schuf 1984 die Choreographien zu den Werken von Marcel Dupré (Symphonie Passion) und Wolfgang Hildemann (De profundis). Die Presse schrieb: „Experiment stieß auf reges Interesse (das Münster war voll besetzt) und fand starken, von Bravo-Rufen durchsetzten Beifall“
(Juni 1984).

Im September 1986 folgte die nächste Produktion.
Aus der Presse: „In einer außergewöhnlichen Form wird heute im Mönchengladbacher Münster an den berühmten Komponisten Marcel Dupré, der von 100 Jahren geboren wurde, erinnert. Unter dem Titel „CHEMIN DE LA CROIX“, Kreuzweg für Orgel, einer choreographischen Aufführung für Orgel und Ballett zeigt das Ballett-Theater Mönchengladbach / Krefeld die 14 Stationen des Kreuzweges auf (01.06.1086 Report Mönchengladbach).“

 

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Weiteres Zitat aus der Presse:
Wie es dazu kam, erläuterte Viktor Scholz folgendermaßen: „Neben den bestehenden Formen in der Kirche, wie Andacht, Messe und Vesper, dachte ich mir, muss es doch noch eine andere adäquate Ausdrucksform geben. Und diese neue Form, so finde ich, liegt im Ausdruckstanz, der in den letzten Jahren enorm gefördert wurde und der sich auch dementsprechend entwickelt hat.“

Die Aufführung des Kreuzweges nach der Choreographie von Günter Haag wurde für alle Mitwirkenden ein großer Erfolg. Nach der Premiere im Gladbacher Münster konnte das Werk beim Katholikentag in Aachen (1986) und später in der Kreuzkirche in Düsseldorf und im Dom zu St. Blasien aufgeführt werden.

Es gibt geschichtliche Vorbilder zu solchen vermeintlich modernen Kunstexperimenten. Tanz und Spiel waren im Mittelalter durchaus vereinbar mit kirchlichem Leben; besonders an hohen Festtagen wurden Mysterienspiele aufgeführt Prozessionen und Krippenspiele sind von jener reichen Tradition geblieben.

 

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Bernd Schindowski                    Rubens Reis                 Viktor Scholz (1991)

Unter der Leitung der Ballettmeisterin Irene Schneider hat die gleiche Compagnie
der Städte Krefeld/Mönchengladbach 1989 zur Musik von Johann Sebastian Bach (Passacaglia) und Nicolas Grigny (Veni Creator)in Mönchengladbach und Krefeld (Pax Christi) getanzt.

Die „legendäre“ und wohl auch ausdruckstärkste Fassung des Dupréschen Kreuzwegs folgte im Jahre 1991. Rubens Reis (Ballett Schindowski) hat die Choreographie zu den 14 Stationen selbst erarbeitet und diese auch solistisch getanzt. In dieser Formation ist der Kreuzweg über 10 Jahre lang überall aufgeführt worden.

 

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Rubens Reis als Schmerzensmann - siehe unter Tanz/Orgel

 

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